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Eis­kalt erwischt

Eisartikel Bioboom 91 Warenkunde
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An den ers­ten war­men Tagen bil­den sich ­direkt die Schlan­gen vor den frisch eröff­ne­ten Eis­die­len. Deko­ra­ti­ve Ber­ge tür­men sich auf, mit Früch­ten und Scho­ko, knall­grü­nes Wald­meis­te­r­eis kon­kur­riert mit pin­ker Him­bee­re um die Auf­merk­sam­keit. Das ist nicht jeder­manns oder jeder­fraus Sache, denn vie­le der so hand­ge­macht wir­ken­den Sor­ten wer­den auf Basis vor­ge­fer­tig­ter Mischun­gen her­ge­stellt und ent­hal­ten jede Men­ge Farb­stof­fe (offen­sicht­lich) und Zusatz­stof­fe (weni­ger offen­sicht­lich). Bio-Eis­ma­nu­fak­tu­ren und vega­ne Eis­die­len fin­den sich eher sel­ten und wenn, dann eher in den Sze­ne­vier­teln deut­scher Großstädte.

 

Meis­tens zuhause

 

Aber das Gros des Eis­kon­sums der Deut­schen fin­det gar nicht auf der Stra­ße oder im Eis­ca­fé statt, son­dern zu Hau­se: Ein Trend, der sich im letz­ten Jahr ver­ständ­li­cher­wei­se ver­stärk­te. Statt­li­che acht Liter Spei­se­eis – das ent­spricht rund 114 Kugeln – hat jede:r von uns 2020, sta­tis­tisch betrach­tet, kon­su­miert, teilt der Eis Info Ser­vice der deut­schen Mar­ken­eis­her­stel­ler (E.I.S.) mit. Das Gros davon ent­fällt auf die so genann­ten »Haus­halts­pa­ckun­gen«, also das Eis in der Tief­kühl­the­ke, und Mul­ti­pa­ckun­gen, die meh­re­re Por­tio­nen enthalten.

 

Anti­kes Eis: Aus den Bergen

 

Ganz schön prak­tisch, oder? So bequem ging das mit dem Eis­genuss nicht immer. Den­noch ist die lecke­re Süßig­keit ­offen­sicht­lich so ver­lo­ckend, dass es bereits im anti­ken Chi­na und Grie­chen­land Spei­se­eis gab – da es logi­scher­wei­se kei­ne Eis­ma­schi­nen gab, wur­de das Eis von schnee­be­deck­ten Gebirgs­gip­feln geholt und war ein Pri­vi­leg der Ober­schicht. 1799 eröff­ne­te in Ham­burg die ers­te Eis­die­le im Alsterpavillon.

Noch bis ins spä­te 19. Jahr­hun­dert wur­de Eis aus Stan­gen­eis aus dem Win­ter, das in Eis­kel­lern gela­gert wur­de, und Käl­te­mi­schun­gen zum Bei­spiel mit Koch­salz her­ge­stellt. Erst die Erfin­dung der Käl­te­ma­schi­ne durch Carl von Lin­de brach­te den Durch­bruch für die indus­tri­el­le Spei­se­eis­pro­duk­ti­on, die in Deutsch­land 1925 begann.

 

Klas­si­ker dominieren

 

Mitt­ler­wei­le kon­kur­rie­ren hun­der­te von Eis­sor­ten um die Gunst der Verbraucher-:­innen, jedes Jahr kom­men neue hin­zu. Von anglo-ame­ri­ka­ni­schen Vari­an­ten wie Coo­kie Dough oder Sal­ted Cara­mel, bis zu tren­di­gen Kom­po­si­tio­nen wie »Gol­de­ne Milch« oder schwar­zem Eis mit Aktiv­koh­le (unse­res Wis­sens – zum Glück? – noch nicht in Deutsch­land erhält­lich). Appe­tit­li­cher klin­gen für uns Bio-Rezep­te mit Basi­li­kum, Kür­bis­kern­öl oder Dat­teln. Kuri­os: Allen Trends und span­nen­den Pro­dukt­ent­wick­lun­gen zum Trotz wer­den die ers­ten Plät­ze in der Lieb­lings­eis-Sta­tis­tik seit Jah­ren von den Klas­si­kern belegt: Vanil­le, Scho­ko­la­de, Strac­cia­tel­la und Erd­bee­re sind laut Unit­eis, der Uni­on der ita­lie­ni­schen Spei­se­eis­her­stel­ler, auch 2020 unan­ge­foch­ten die belieb­tes­ten Sor­ten in Deutschland.

 

Schö­ner Schein kon­tra luf­ti­ge Wahrheit

 

Aber was steckt eigent­lich drin im Eis, was macht ein gutes Spei­se­eis aus? Das kommt ganz auf die Sor­te an. Grund­sätz­lich besteht ein klas­si­sches, hand­werk­lich her­ge­stell­tes Eis aus weni­gen, natür­li­chen Zuta­ten: Milch und Sah­ne, fri­schen Früch­ten, Eiern, Nüs­sen, Scho­ko­la­de, Gewür­zen wie Vanil­le … Die Rea­li­tät sieht – gera­de bei den kon­ven­tio­nel­len Haus­halts­pa­ckun­gen aus der Tief­kühl­the­ke – oft anders aus, wie das Ver­brau­cher­ma­ga­zin Öko-Test bereits vor zwei Jah­ren in einem Vanil­le-Eis-Test bemän­gel­te. Da wird Milch bezie­hungs­wei­se Milch­fett durch Pflan­zen­fett ersetzt. Nicht, weil pflanz­lich bes­ser für uns wäre, nein, weil es ein­fach bil­li­ger ist. Hin­zu kom­men Zusatz­stof­fe wie »Mono- und Dig­li­ce­ri­de von Spei­se­fett­säu­ren« (TK).

 

Warenkunde Eis – Bioboom 91

 

Auch beim Geschmack wird ger­ne nach­ge­hol­fen: Ein biss­chen ech­te Vanil­le und viel Vanil­lin, ein biss­chen Erd­bee­re plus »natür­li­ches Aro­ma«. Beson­ders beliebt ist auch eine Zutat, die durch­aus lebens­wich­tig und gesund ist, die wir aber nicht unbe­dingt mit dem Eis zu uns neh­men müs­sen: Luft. Schön luf­tig auf­ge­schla­gen wird das Eis näm­lich cre­mi­ger, schnell wer­den aus 500 ml Eis 1000 ml. Kann man machen, ungüns­tig für die Verbraucher:innen wird es aller­dings, wenn Fett‑, Zucker- und Kalo­rien­ge­halt dann per 100 ml und nicht per 100 g ange­ben wer­den. So wirkt näm­lich so man­ches Eis viel weni­ger gehalt­voll, als es ist. Das Glei­che gilt, wenn der Preis nach Mil­li­li­ter berech­net wird und wir die Luft sozu­sa­gen mitbezahlen.

 

Genau hin­schau­en

 

Das deut­sche Lebens­mit­tel­recht soll es den Kund:innen eigent­lich ermög­li­chen, Qua­li­tät (oder deren Abwe­sen­heit) zu erken­nen. So muss Milch­eis min­des­tens 70 Pro­zent Milch ent­hal­ten, bei Sah­ne­eis müs­sen 18 Pro­zent Milch­fett drin ste­cken. Eine Eis­creme muss immer­hin noch mit 10 Pro­zent Milch­fett auf­war­ten. Wird das Gan­ze, und sei es nur zum Teil, mit Pflan­zen­fett her­ge­stellt, dann heißt es schlicht und ein­fach »Eis«. Hät­tet Ihr’s gewusst? Beim Frucht­eis funk­tio­niert es ent­spre­chend: Hier gel­ten Min­dest­frucht­ge­hal­te, es kann mit Milch- oder Pflan­zen­fett zube­rei­tet wer­den. Steht auf der Packung »mit Erd­beer­ge­schmack«, dürft Ihr sicher sein, dass das Eis so gut wie erd­beer­frei ist und auf Aro­men setzt.

 

Bio-Eis punk­tet

 

Ange­sichts die­ser Gemenge­la­ge ist es kein Wun­der, dass das Ange­bot an Bio-Eis in Bio-Märk­ten ste­tig wächst. Wie so häu­fig gilt hier: Kür­ze­re Zuta­ten­lis­te, bes­se­re Qua­li­tät. Die Milch stammt von Bio-Höfen, es gibt sogar Eis mit Heu­milch oder mit Zie­gen­milch (die ist nicht nur eine Alter­na­ti­ve für Kuh­milch-Unver­träg­lich­keit son­dern ergibt ein schön cre­mi­ges Eis). Eben­so aus Bio-Anbau stam­men Früch­te, Nüs­se, Scho­ko­la­de und natür­lich auch Eier, Zucker und ande­re natür­li­che Süß­ma­cher wie zum Bei­spiel Aga­ven­dick­saft. Für eine anspre­chen­de Far­be sor­gen, wo nötig, eben­falls natür­li­che Zuta­ten, wie zum Bei­spiel Rote Bete.

Etli­che Mar­ken kön­nen zusätz­lich zum Bio-Sie­gel auch noch mit einer Bio­land- oder Deme­ter-Zer­ti­fi­zie­rung punk­ten. Die Bio-Eis­tru­he bie­tet nicht nur Mar­ken »von hier«, die, je nach­dem, wo Ihr ein­kauft, unter Umstän­den sogar regio­na­les Eis bie­ten. Für Sor­ten­viel­falt und Abwechs­lung sor­gen auch nie­der­län­di­sche oder fin­ni­sche Marken.

 

Vega­nes Eis im Kommen

 

Und was ist mit der wach­sen­den Zahl der Men­schen, die auch beim Eis auf rein pflanz­lich set­zen? Gute Nach­richt: Lecke­res Eis geht selbst­ver­ständ­lich auch vegan. Und die Aus­wahl im Bio-Markt kann sich sehen las­sen. Inter­es­sant sind hier vor allem die Milch­eis-Alter­na­ti­ven, denn Sor­bets sind ja sozu­sa­gen von Natur aus vegan. Statt tie­ri­scher Milch kom­men in den pflanz­li­chen Vari­an­ten je nach Her­stel­ler Soja, Man­del, Hafer, Kokos oder Cas­hew zum Ein­satz, Pflan­zen­fet­te haben hier ihre vol­le Berech­ti­gung. Oft kön­nen die Sor­ten auch mit alter­na­ti­ven Süßungs­mit­teln wie Dat­teln oder Aga­ven­si­rup punk­ten. Neben den Klas­si­kern Vanil­le, Scho­ko­la­de und Erd­bee­re gibt es auch für Veganer:innen eine immer grö­ße­re Aus­wahl von tren­di­gen Sorten.

 

Opti­ma­ler Eisgenuss

 

Damit Euer Eis zuhau­se rich­tig gut schmeckt, noch ein paar prak­ti­sche Tipps: Am bes­ten legt Ihr das Eis erst zum Schluss in den Ein­kaufs­wa­gen und packt es für den Trans­port nach Hau­se in eine Kühl­ta­sche. Zuhau­se soll­te es dann direkt wie­der tief­ge­kühlt wer­den. Vor dem Ver­zehr soll­te es dage­gen fünf bis zehn Minu­ten bei Zim­mer­tem­pe­ra­tur ver­brin­gen dür­fen. Dann ent­fal­tet es sei­nen vol­len Geschmack und beim Por­tio­nie­ren ver­bie­gen auch kei­ne Löf­fel. Und falls etwas übrig­blei­ben soll­te: Direkt wie­der zurück in die Käl­te packen. Lasst es euch schmecken!

 

Die­ser Bei­trag erschien in Aus­ga­be 91 — Som­mer 2021

 

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