Baumwollanbau global: Gentechnik und Pestizide
Die flauschigen Büschel vom Baumwollstrauch sind ein nachwachsender pflanzlicher Rohstoff und damit potenziell eine nachhaltige Lösung. Alles andere als nachhaltig ist allerdings der konventionelle Baumwollanbau, vom Saatgut bis zur Verarbeitung. Auf fast 80 Prozent aller Felder weltweit wachsen gentechnisch veränderte Sorten. Das steigert die Abhängigkeit der Produzent:innen von den Agrarkonzernen, die die passenden Pestizide gleich mitliefern. Und zwar in rauen Mengen: Laut des Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) entfallen 16 Prozent des weltweiten Pestizidverbrauchs auf den Baumwollanbau, das sind jährlich ca. 200.000 Tonnen — und das, obwohl der Baumwollanbau nur 2,5 Prozent der weltweiten Ackerfläche einnimmt. Das gefährdet Böden, Wasser, die Gesundheit der Menschen und die Bio-Diversität. Und auch in der Verarbeitung und den Textilfabriken kommen gefährliche Chemikalien zum Einsatz.
Bio-Baumwolle weltweit eine Nische
Dabei lässt sich Baumwolle auch im ökologischen Landbau anbauen. Dort gelten die grundsätzlichen Bio-Prinzipien: Es wird ausschließlich traditionelles Saatgut verwendet, der Einsatz von Gentechnik ist verboten, ebenso chemisch-synthetische Dünger und Pestizide sowieso. Doch obwohl in Deutschland die Zahl der Öko-Mode-Anbieter wächst und immer mehr Modeketten Bio-Baumwolle einsetzen, steigt die globale Bio-Baumwollproduktion nur zögerlich. Der Anteil von Bio-Baumwolle an der weltweiten Baumwollproduktion liegt immer noch bei unter einem Prozent.
Bio und Fair für Mensch und Umwelt
Baumwollanbau verursacht nicht nur ökologische, sondern auch Gerechtigkeits-Probleme. Oft sind es kleinbäuerliche Betriebe in Schwellen- und Entwicklungsländern, in denen die arbeitsintensive Pflanze wächst. Die Erzeuger:innen stehen am Anfang der langen Lieferkette, entsprechend gering ist ihr Einfluss. Hinzu kommt, dass Baumwollanbau in reichen Ländern häufig mit Subventionen gestützt wird, die die globalen Marktpreise künstlich niedrig halten. Das Resultat: Oft decken die Einkommen anderswo dann nicht einmal die Produktionskosten. Der ungeregelte Umgang mit gefährlichen Chemikalien auf den Feldern und in den verarbeitenden Fabriken, sowie ausbeuterische Arbeitsbedingungen sind weitere Probleme. Deshalb ist auch hier Öko und Fair ein Dreamteam, wenn es darum geht, für sichere Arbeitsbedingungen und ein sicheres Auskommen zu sorgen.
Textile Nachhaltigkeit erkennen
Missstände in der Produktion und spektakuläre Unfälle in Textilfabriken lenken die Aufmerksamkeit der Verbraucher:innen auf die Schattenseite der farbenfrohen Mode. Das Resultat: Auch die großen Textilketten verweisen heute auf »nachhaltige Produktion«. Dass sie auch Kleidungsstücke aus Bio-Baumwolle zu erschwinglichen Preisen anbieten, ist grundsätzlich positiv. Es kurbelt die Nachfrage nach ökologisch angebauter Baumwolle an und macht nachhaltigere Mode für mehr Menschen erschwinglich. Allerdings: Nicht jedes als »nachhaltig« vermarktete Kleidungsstück wird ökologischen und sozialen Standards vollumfänglich gerecht: Es enthält vielleicht nur zum Teil ökologische Fasern oder die Bio-Baumwolle wurde konventionell weiterverarbeitet. Wer sicher sein möchte, dass ökologische und soziale Kriterien entlang der gesamten Lieferkette eingehalten werden, sollte auf anerkannte Siegel wie Global Organic Textile Standard (GOTS), Grüner Knopf, FAIRTRADE Cotton oder OEKOTEX made in Green achten. Eine Übersicht findet sich zum Beispiel auf der Website »Siegelklarheit«, siehe QR-Code unten.
Longevity im Kleiderschrank
Bio-Baumwolle, nachhaltig und fair zu einem hochwertigen Kleidungsstück verarbeitet, und jetzt Zuhause im Schrank angekommen: Hier ist die Geschichte hoffentlich noch lange nicht zu Ende. Denn Nachhaltigkeit endet nicht mit einer bewussten Kaufentscheidung, wie es weitergeht, liegt in unserer Hand. Ein gutes Stück kann über viele Jahre lang immer getragen werden, besonders dann, wenn es sachgerecht behandelt wird. Und wenn es nicht ausrangiert wurde, dann lebt es noch heute …



