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Natur­kos­me­tik
50 Shades of Green

Nachhaltigkeit liegt im Trend — auch im Badezimmer. Zahllose Cremes, Shampoos und Seren wollen mit natürlichem Look und wohlklingenden Claims überzeugen. Aber was ist dran? Wir klären, worin sich Naturkosmetik, naturnahe Kosmetik und konventionelle Produkte unterscheiden — und was wirklich Orientierung bietet.
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Besuch im Dro­ge­rie­markt: Kaum eine Ver­pa­ckung, auf der kei­ne Blät­ter, Blü­ten, Früch­te oder Was­ser­trop­fen pran­gen. Aus­sa­gen wie »inspi­riert von der Natur« oder »mit pflanz­li­chen Inhalts­stof­fen« klin­gen gut und sug­ge­rie­ren: Die­ses Pro­dukt ist gut für uns und für die Umwelt. Doch lei­der: Ein Pflan­zen­ex­trakt allein macht noch kei­ne Natür­lich­keit — trotz­dem kön­nen jede Men­ge syn­the­ti­sche Duft­stof­fe, pro­ble­ma­ti­sche Emul­ga­to­ren oder gar Mikro­plas­tik ent­hal­ten sein.
 

Drei Wel­ten in einem Regal

Fach­leu­te tei­len den Kos­me­tik­markt in drei Seg­men­te auf: kon­ven­tio­nel­le Kos­me­tik, natur­na­he Kos­me­tik und zer­ti­fi­zier­te Natur­kos­me­tik. Wer den Unter­schied kennt, kann bewuss­ter entscheiden.
 

Kon­ven­tio­nell: Ent­spricht den Konventionen

Für alles, was Haut und Haar rei­nigt oder pflegt, gel­ten die Vor­ga­ben der EU-Kos­me­tik­ver­ord­nung. Sie legt unter ande­rem fest, wel­che Stof­fe gene­rell ein­ge­setzt wer­den dür­fen und was wie dekla­riert wer­den muss. Gene­rell sol­len die­se Vor­ga­ben die Sicher­heit der Pro­duk­te für Verbraucher:innen gewähr­leis­ten. Vie­le die­ser Zuta­ten wer­den syn­the­tisch her­ge­stellt, bezie­hungs­wei­se stam­men aus der Petro­che­mie, nut­zen also Erd­öl als Basis — wer auf Natür­lich­keit setzt, wird die­se eher ver­mei­den wol­len. Dar­über hin­aus gel­ten etli­che Stof­fe auf der Lis­te aber auch durch­aus als kri­tisch: So zum Bei­spiel Polyethylenglykol(PEG)-Verbindungen, eini­ge syn­the­ti­sche Duft­stof­fe oder Mikro­plas­tik. Sie kön­nen die Haut rei­zen, ste­hen im Ver­dacht, hor­mo­nell zu wir­ken oder belas­ten die Umwelt, weil sie schwer oder gar nicht abbau­bar sind.
 

Die Zwi­schen­welt: Natur­na­he Kosmetik

Natur­na­he Kos­me­tik unter­schei­det sich von kon­ven­tio­nel­ler Kos­me­tik dadurch, dass sie tat­säch­lich mehr pflanz­li­che oder natur­na­he Inhalts­stof­fe ent­hält; im Gegen­satz zu Natur­kos­me­tik ist sie aber nicht zer­ti­fi­ziert. Das bedeu­tet: Für »nor­ma­le« Verbraucher:innen ist es schwie­rig ein­zu­schät­zen, mit wie­viel Natür­lich­keit sie es denn jetzt wirk­lich zu tun haben. Die Band­brei­te reicht von Pro­duk­ten, die fast voll­stän­dig Natur­kos­me­tik ent­spre­chen, bis hin zu sol­chen, die ledig­lich mit ein paar natür­li­chen Extrak­ten ange­rei­chert wurden.
 

Kla­rer Fall: Zer­ti­fi­zier­te Naturkosmetik

Anders als »Bio« für Lebens­mit­tel ist der Begriff »Natur­kos­me­tik« nicht gesetz­lich geschützt. Zum Glück sind wir nicht auf eine euro­päi­sche Natur­kos­me­tik­richt­li­nie ange­wie­sen, um zu wis­sen, was wir kau­fen. Denn es gibt eine Rei­he von ver­läss­li­chen Sie­geln für »ech­te« Natur­kos­me­tik. Zu den bekann­tes­ten zäh­len COS­MOS und NaTrue. Der Bun­des­ver­band Natur­kost Natur­wa­ren nennt in sei­nen Sor­ti­ments­richt­li­ni­en 16 Sie­gel, die für ech­te Natur­kos­me­tik ste­hen und alle das Wesent­li­che gemein­sam haben: Sie garan­tie­ren, dass die zer­ti­fi­zier­ten Pro­duk­te kei­ne syn­the­ti­schen Duft- oder Farb­stof­fe ent­hal­ten, kein Mikro­plas­tik und kei­ne Sili­ko­ne, dass mög­lichst pflanz­li­che Inhalts­stof­fe und die­se bevor­zugt aus Bio-Anbau ein­ge­setzt werden.
 

Im Zwei­fels­fall: Genau hinschauen

Natür­lich ist nicht jedes Pro­dukt ohne Sie­gel auto­ma­tisch schlecht. Vor allem klei­ne Kos­me­tik-Manu­fak­tu­ren scheu­en manch­mal den büro­kra­ti­schen und finan­zi­el­len Auf­wand einer Zer­ti­fi­zie­rung, obwohl ihre Pro­duk­te alle Kri­te­ri­en erfül­len wür­den. Wer hier sicher gehen will, muss genau hin­se­hen — oder auf Fach­wis­sen zurück­grei­fen. Denn schließ­lich: Stof­fe wie Cetearyl Alco­hol (ein Fett­al­ko­hol, der auch in Natur­kos­me­tik erlaubt ist) und Ceteareth-20 (ein PEG-Deri­vat) klin­gen ganz schön ähn­lich. Ihr wollt kein Che­mie­stu­di­um absol­vie­ren? Apps wie Code­Check oder Tox­Fox hel­fen, Inhalts­stof­fe zu bewer­ten und lie­fern Hin­wei­se auf pro­ble­ma­ti­sche Substanzen.
 

Unser Fazit: Sie­gel machen’s leichter

Trotz­dem: Wenn es Euch wich­tig ist, Euch mög­lichst haut- und umwelt­freund­lich zu pfle­gen, dann geht an zer­ti­fi­zier­ter Natur­kos­me­tik kein Weg vor­bei. Denn hier weiß man eben genau, dass drin­steckt, was drauf­steht — und manch­mal sogar noch mehr: Vie­le Mar­ken ste­hen nicht nur für natur­kos­me­ti­sche Qua­li­tät, sie enga­gie­ren sich auch für fai­re Pro­duk­ti­ons­be­din­gu­gen und Nach­hal­tig­keit in Unter­neh­mens­pro­zes­sen. In einem Markt vol­ler Grün­schat­tie­run­gen ist es doch ganz schön, zu wis­sen, wo nicht nur Mar­ke­ting, son­dern ech­te Hal­tung zu fin­den ist.

 

Lese­emp­feh­lung zum The­ma: Zurück zum Ursprung → Pflan­zen­öle


 

 

Die­ser Bei­trag erschien in Aus­ga­be 108 — Herbst 2025

BBM 108 – Herbstausgabe

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