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Das Textilunternehmen Manomama schwimmt erfolgreich gegen den Strom.

Geht doch!

Jeder hat sie für verrückt erklärt damals. Am Ende der Finanzkrise in eine tote Branche investieren und Leute beschäftigen, die sonst niemand will? Das klang nach vorprogrammiertem Scheitern. Dieses Jahr feiert Sina Trinkwalder mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das zehnjährige Firmenjubiläum ihres Augsburger Textilunternehmens Manomama.
Das Textilunternehmen  Manomama schwimmt  erfolgreich gegen den Strom.

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Hanf aus dem Tau­ber­tal, Knöp­fe aus Baden-Württemberg

 

Die Ver­ant­wor­tung für ihre Beleg­schaft war es auch, die Sina Trink­wal­der zu öko­lo­gisch pro­du­zier­ten Mate­ria­li­en grei­fen ließ: »Schließ­lich sol­len mei­ne Ladies das mög­lichst lan­ge machen kön­nen und nicht mit gif­ti­gem Zeug arbei­ten müs­sen.« So weit es geht, bezieht sie Roh­stof­fe, Gar­ne, Gewe­be, Reiß­ver­schlüs­se, Knöp­fe und ande­res zudem aus der Regi­on oder zumin­dest aus Deutsch­land. Wer es genau wis­sen will, fin­det auf der Fir­men­web­sei­te alles genau auf­ge­schlüs­selt: Hanf aus dem Tau­ber­tal, Schur­wol­le für Jacken und Män­tel vom Augs­bur­ger Land­me­ri­no, Rin­der­häu­te vom Erlan­ger Schlacht­hof, kom­pos­tier­ba­re Knöp­fe aus Baden-Würt­tem­berg. Die Baum­wol­le kommt not­ge­drun­gen von wei­ter her, aber die Baum­woll­fel­der des Part­ners in Tan­sa­nia wer­den nicht künst­lich gewäs­sert, alles sei »rain-grown«, das betont Trink­wal­der eben­so wie die »Wert­schät­zung und den Han­del auf Augenhöhe«.

 

 

Kei­ne Res­te wegwerfen

 

Wich­ti­ger als mit Öko-Sie­geln wie GOTS (Glo­bal Orga­nic Tex­ti­le Stan­dard) zu wer­ben, ist Mano­ma­ma das The­ma Res­sour­cen­ma­nage­ment und Res­te­ver­wer­tung. »Wir kom­men nicht umhin, all das zu neh­men, was schon da ist. Sonst wer­den wir nie kli­ma­neu­tral.« Des­halb wird bei ihr nichts weg­ge­wor­fen. Und des­halb hadert sie manch­mal mit dem GOTS-Sie­gel. Denn um die Res­te der GOTS-zer­ti­fi­zier­ten Bio­baum­wol­le, die nach dem Zuschnei­den übrig blei­ben, sinn­voll wie­der­zu­ver­wer­ten, wer­den die­se auf­be­rei­tet und erneut ver­spon­nen. Dann wird die so gewon­ne­ne Faser mit neu­er GOTS-Bio­baum­wol­le ver­mischt und gewebt. Die so ent­stan­de­nen Stof­fe in Melan­ge-Tönen – mit einem Recy­cling-Anteil von etwa 25 Pro­zent – dür­fen sich aber trotz­dem nicht mehr mit dem Sie­gel schmü­cken. »Ver­ste­hen tu ich das nicht.«

 

Auch bei ande­ren Pro­jek­ten hat sie die Ver­wer­tung von Tex­til­res­ten im Blick. Schon seit eini­gen Jah­ren bekommt Mano­ma­ma im Som­mer die Stoff­res­te von einem Mar­ki­sen­her­stel­ler – und fer­tigt dar­aus die soge­nann­ten Brich­bags – Ruck­sä­cke, Sport- und Schul­ter­ta­schen. Mit dem Erlös der Upcy­cling-Taschen finan­ziert Mano­ma­ma das Nähen von Obdach­lo­sen­ruck­sä­cken, die dann gefüllt mit nütz­li­chen Din­gen an Woh­nungs­lo­se ver­teilt wer­den und eine Alter­na­ti­ve zur flat­t­ri­gen Plas­tik­tü­te bie­ten. Für den Sep­tem­ber plant Sina Trink­wal­der den Start der Web­sei­te fabyoulos.de: Hier sol­len sor­tier­te hoch­wer­ti­ge Res­te aus der Mano­ma­ma-Nähe­rei ver­kauft wer­den, sei­en es Gum­mi­bän­der, Schleif­chen, Pols­ter, Bän­der oder Haken – auch, aber nicht nur als Do-it-Yourself-Kit für Pro­jek­te wie den selbst­ge­näh­ten BH. Eigent­lich soll­te das Vor­ha­ben schon im Früh­jahr star­ten. Der Coro­na-Lock­down brach­te den Plan durch­ein­an­der: In der Augs­bur­ger Nähe­rei war man mit dem Pro­du­zie­ren von Schutz­mas­ken mehr als beschäftigt.

 

Gut beschäf­tigt – auch dank Corona

 

 

Die Coro­na-Pan­de­mie ver­pass­te auch einer ande­ren Idee von Sina Trink­wal­der und damit Mano­ma­ma gera­de einen kräf­ti­gen Schub: Der von ihr erdach­te »Urban­doo«, eine Art Loop mit innen­lie­gen­dem FFP3-Fil­ter-Inlay, war eigent­lich für Men­schen gedacht, die sich vor Pol­len oder Luft­schad­stof­fen schüt­zen wol­len. »Vor zwei Jah­ren habe ich das Ding zum Patent ange­mel­det, da hät­te kaum jemand gedacht, dass das funk­tio­niert. Und heu­te schießt es durch die Decke, auch als Alter­na­ti­ve zum nor­ma­len All­tags­mund­schutz.« Sina Trink­wal­der freut sich: So ist die Nähe­rei wei­ter gut aus­ge­las­tet, die Leu­te haben zu tun. Das ist schließ­lich der Sinn des Gan­zen. Und nicht, mög­lichst viel Geld zu erwirt­schaf­ten. »Frü­her war ich viel­leicht mal reich. Aber jetzt füh­le ich mich reich, zufrie­den und erfüllt. Das Geld ist doch hier super inves­tiert«, sagt Trink­wal­der und man kann nicht anders, als es ihr zu glau­ben – trotz­dem legt sie Wert dar­auf, dass Mano­ma­ma bereits seit fast acht Jah­ren eine schwar­ze Null schreibt und kei­ne Ver­lus­te macht.

 

Vor­zei­ge­pro­jekt ohne Nachahmer

 

Zahl­rei­che Prei­se und Aus­zeich­nun­gen haben sie und ihr Unter­neh­men schon ent­ge­gen­ge­nom­men, unter ande­rem das Bun­des­ver­dienst­kreuz. Mano­ma­ma gilt als Vor­zei­ge­pro­jekt, als Beweis, dass sozia­les Unter­neh­mer­tum funk­tio­nie­ren kann – und das in einer Bran­che, die sonst fast alles in Bil­lig­lohn­län­der ver­la­gert. Trotz­dem hat ihr Bei­spiel kei­ne Schu­le gemacht. War­um eigent­lich nicht? »Kaum jemand will das mit sei­nem Leben ver­haf­ten. Für sozia­les Unter­neh­mer­tum musst du ein­fach extrem gut sein.« Emp­fin­det sie die Ver­ant­wor­tung für ihre 140 Ange­stell­ten manch­mal als Last? »Nein, ich hab ein­fach Bock, etwas zu rei­ßen.« Vor zwei Jah­ren hat sie, so sagt sie, zumin­dest mal dar­über nach­ge­dacht, Mit­ar­bei­ten­de, die in Ren­te gehen, nicht mehr zu erset­zen und so das Unter­neh­men auf 100 Leu­te zu ver­klei­nern. Davon ist inzwi­schen kei­ne Rede mehr. »Aber wach­sen kön­nen wir nicht mehr, sonst ist die Hal­le zu klein.«

 

Gefahr, dass ihr die Ideen aus­ge­hen, besteht jeden­falls nicht. In Pla­nung ist eine Sport­kol­lek­ti­on aus Schur­wol­le, von der sie per­sön­lich höchst über­zeugt ist. Aller­dings sind auf dem Weg zur Umset­zung schon zwei Spin­ne­rei­en plei­te gegan­gen. »Viel­leicht bleibt mir ein­fach nichts ande­res übrig, als die Din­ge selbst in die Hand zu neh­men«, sagt sie und grinst.

 

→ Bir­git Schumacher

 

Die­ser Bei­trag erschien in Aus­ga­be 88 — Herbst 2020

 

 

 

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