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Natur­par­fum
Eine Nase voll Natur

Für manche:n ist ein ganz bestimmter »Signature Scent« fester Bestandteil des individuellen Stils, eben wie die eigene Unterschrift. Andere wechseln den Duft mit der Jahreszeit oder haben gleich ein ganzes Sortiment von Flakons unterschiedlichster Stilrichtungen, für jeden Anlass und jede Stimmungslage.
Bioboom 97 Winterausgabe Naturkosmetik Contentbild Naturparfum
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In jedem Fall ist Duft eine zutiefst per­sön­li­che Ange­le­gen­heit. Bio­boom fragt: Geht das auch natür­lich? Denn wäh­rend Natur­kos­me­tik seit vie­len Jah­ren boomt, ist Natur­par­fum immer noch ein Nischenmarkt.

 

Geschich­te des Parfums

 

Ursprüng­lich waren alle Par­fums Natur­par­fums. Waren die ers­ten Düf­te der Welt ver­mut­lich Räu­cher­stof­fe (das Wort Par­fum lei­tet sich vom latei­ni­schen »per fum­a­re« ab, was »durch Rauch« heißt), wur­den die ers­ten wohl­rie­chen­den Sal­ben und Öle bereits im anti­ken Ägyp­ten ver­wen­det. Als Mate­ri­al dien­ten Aus­zü­ge wohl­rie­chen­der Blu­men, Kräu­ter und Höl­zer, teil­wei­se auch tie­ri­schen Ursprungs wie Moschus oder Ambra. Düf­te waren ent­spre­chend kost­bar und teu­er. Die indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on ermög­lich­te auch eine Zei­ten­wen­de der Duft­her­stel­lung: Nun konn­ten die Bestand­tei­le äthe­ri­scher Öle im Labor syn­the­ti­siert und in gro­ßem Maß­stab her­ge­stellt werden.

 

Hin­zu kamen syn­the­ti­sche Duft­stof­fe, die in der Natur nicht vor­kom­men. So wur­den Par­fums erschwing­lich und konn­ten ihren Sie­ges­zug durch alle Gesell­schafts­schich­ten antre­ten. Heu­te ist Par­fum ein Mas­sen­markt. Hun­der­te von Düf­ten wer­den von Kos­me­tik­kon­zer­nen jähr­lich auf den welt­wei­ten Markt gebracht, unter­stützt von auf­wän­di­gen Wer­be­kam­pa­gnen. Wäh­rend Natur­kos­me­tik seit Jah­ren immer mehr Men­schen über­zeugt, sind Natur­par­fums nach wie vor eine Rari­tät. Oft sind es »ech­te« Natur­kos­me­tik­fir­men, die ihr Port­fo­lio mit einem klei­nen, fei­nen Sor­ti­ment von Natur­düf­ten abrunden.

 

Was drin steckt – oder auch nicht

 

Wer bewusst kon­su­miert, will wis­sen, was drin ist. Auf der siche­ren Sei­te seid Ihr natür­lich, wenn Ihr die eta­blier­ten Natur­kos­me­tik-Sie­gel (zum Bei­spiel NaTrue oder COS­MOS) auf dem Pro­dukt ent­deckt. Ansons­ten ermög­licht der Blick auf die Zuta­ten­lis­te zumin­dest eine Ori­en­tie­rung: Die wesent­li­che Trä­ger­sub­stanz, in der die Duft­stof­fe gelöst sind, ist in der Regel Alko­hol, bei Natur­par­fums manch­mal auch pflanz­li­che Öle. Wäh­rend Natur­düf­te auf rei­nen oder sogar Bio-Alko­hol set­zen, wird in kon­ven­tio­nel­len Par­fums manch­mal Alko­hol ein­ge­setzt, der »ver­gällt«, also für den mensch­li­chen Ver­zehr unge­nieß­bar gemacht wor­den ist, und der dadurch güns­ti­ger wird.

 

Zum Ver­gäl­len wer­den zum Bei­spiel Phtala­te ein­ge­setzt, die hor­mo­nell wirk­sam sind. Um den Cha­rak­ter des Dufts auch optisch zu unter­strei­chen, wer­den in kon­ven­tio­nel­len Düf­ten häu­fig Farb­stof­fe ein­ge­setzt. Auch bedenk­li­che UV-Fil­ter wie Ethyl­he­xyl Meth­oxy­cin­namat kom­men zum Ein­satz – sie sol­len den Duft vor Son­nen­ein­strah­lung schüt­zen, damit er län­ger halt­bar ist. Und auch wenn es ange­sichts der Tat­sa­che, dass Alko­hol an sich kon­ser­vie­rend wirkt, ver­wun­der­lich ist: Manch­mal ste­cken sogar noch Kon­ser­vie­rungs­stof­fe im Duft.

 

Geheim­nis­vol­le Düfte

 

Anders als bei Kos­me­tik gene­rell müs­sen die Inhalts­stof­fe eines Dufts nicht detail­liert auf­ge­schlüs­selt wer­den. Das ist in gewis­ser Hin­sicht ver­ständ­lich, denn welche:r Parfumeur:in möch­te sich schon in die Kar­ten gucken las­sen? Also fin­det sich in der INCI, wie die Zuta­ten­de­kla­ra­ti­on bei Kos­me­tik heißt, nur der Punkt »Per­fu­me«. Aus­nah­me: Es gibt eine Rei­he von Duft­stof­fen, die rela­tiv häu­fig All­er­gien aus­lö­sen. Die müs­sen, sofern der Gehalt im Pro­dukt 0,01 Pro­zent über­steigt, aus­ge­wie­sen wer­den. Das betrifft natür­li­che und syn­the­ti­sche Duft­stof­fe glei­cher­ma­ßen – schließ­lich kön­nen auch natür­li­che und gesun­de Lebens­mit­tel wie Erd­nüs­se All­er­gien auslösen.

 

Tat­säch­lich sind 18 der ins­ge­samt 26 Duft­stof­fe auf der Lis­te sol­che, die auch in natür­li­chen äthe­ri­schen Ölen vor­kom­men. Das betrifft zum Bei­spiel Euge­nol, das natür­lich in der Gewürz­nel­ke vor­kommt, Far­ne­sol, das zum Bei­spiel in Jas­min- oder Rosen­öl ent­hal­ten ist oder Gera­ni­ol, das, wie der Name ver­mu­ten lässt in Gera­ni­en oder auch Rosen vor­kommt. Acht Kan­di­da­ten auf der Lis­te stam­men aus dem Labor, dar­un­ter Amyl­cin­n­amal oder eine Ver­bin­dung mit dem beein­dru­cken­den Namen 4-(4‑Hydroxy-4-methylpentyl)-3-cyclohexencarboxaldehyd 1).

 

Bioboom 97 Winterausgabe Naturkosmetik Titelbild Naturparfum

 

Sta­tus: Kom­plex und kompliziert

 

Blei­ben wir beim Bei­spiel Gera­ni­ol: Kom­pli­ziert wird die Sach­la­ge dadurch, dass die­ser Duft­stoff ein natür­li­cher Bestand­teil vie­ler äthe­ri­scher Öle ist. Wird »Gera­ni­ol« dekla­riert, bleibt zunächst offen, ob der Stoff in einem natür­li­chen äthe­ri­schen Öl, das ver­wen­det wur­de, ent­hal­ten ist, ob er als Ein­zel­kom­po­nen­te aus einem natür­li­chen Aus­gang her­aus­de­stil­liert oder im Labor syn­the­tisch nach­ge­baut wur­de. Genau­so ist es bei den ande­ren natür­li­chen Duft­stof­fen. Hier sind wir als Verbraucher:innen dar­auf ange­wie­sen, dass uns die Her­stel­len­den zusätz­lich ver­ra­ten, ob sie mit äthe­ri­schen Ölen oder frak­tio­nier­ten Ein­zel­bau­stei­nen gear­bei­tet haben.

 

 

Her­aus­for­de­rung Natürlichkeit

 

Für die Parfumeur:innen ist die Krea­ti­on natür­li­cher Düf­te eine Her­aus­for­de­rung: Ihnen ste­hen nur weni­ge hun­dert Aus­gangs­roh­stof­fe zur Ver­fü­gung, wäh­rend ihre kon­ven­tio­nel­len Kolleg:innen meh­re­re tau­send zur Aus­wahl haben. Äthe­ri­sche Öle bestehen jeweils wie­der­um aus hun­der­ten Ein­zel­kom­po­nen­ten. Nicht nur dass ein tür­ki­sches Rosen­öl anders riecht als ein bul­ga­ri­sches, auch unter­schied­li­che Ern­ten brin­gen unter­schied­li­che Duft­nu­an­cen. Kein Wun­der, dass ech­te Natur­par­fums auf dem Duft­markt (noch) ein Nischen­da­sein führen.

 

Wo sich der Duft am wohls­ten fühlt

 

Ein Duft kann sich in sei­ner gan­zen Kom­ple­xi­tät am bes­ten ent­fal­ten, wenn er direkt auf der Haut auf­ge­tra­gen wird und zwar da, wo sie gut durch­blu­tet ist, zum Bei­spiel im Nacken oder auf den Hand­ge­len­ken. Auf­ge­passt, wenn Ihr Euren Duft jeden Tag ver­wen­det: Die Nase gewöhnt sich, Ihr wer­det ihn irgend­wann nicht mehr wahr­neh­men – Eure Umwelt aber schon. Wenn Ihr mit Eurem edlen Natur­duft spar­sam umgeht, stellt sich natür­lich die nächs­te Fra­ge: Wie lan­ge ist ein Par­fum halt­bar? Dazu gehen die Mei­nun­gen von Beau­ty-Pro­fis aus­ein­an­der, die Anga­ben schwan­ken von drei bis fünf Jahren.

 

Ähn­lich wie bei Lebens­mit­teln könnt Ihr auch beim Duft Eurer Nase ver­trau­en: Ein »gekipp­tes« Par­fum riecht ran­zig oder merk­wür­dig. Was gut duf­tet, das ist auch noch gut. Einig sind sich Expert:innen, dass Düf­te weder in den Kühl­schrank (zu kalt) noch ins Bade­zim­mer (zu warm) gehö­ren. Eine küh­le Zim­mer­tem­pe­ra­tur, zum Bei­spiel im Schlaf­zim­mer ist per­fekt. Und sie lie­ben es dun­kel, damit der gelieb­te Duft lan­ge sta­bil bleibt, am bes­ten im Schrank oder ein­fach in der Umver­pa­ckung aufbewahren.

 

Fün­dig werden

 

Wo fin­det man Natur­par­fums? Im Ver­sand­han­del im Inter­net sowie­so. Aber will man sei­nen Duft wirk­lich digi­tal ohne jede Betei­li­gung der Sin­ne kau­fen? Wer lie­ber schnup­pert, schaut da, wo es eine etwas umfang­rei­che­re Natur­kos­me­tik­ab­tei­lung gibt. Kon­ven­tio­nel­le Par­fü­me­rien haben eben­falls »natür­li­che« Düf­te im Pro­gramm, wem die Natür­lich­keit wirk­lich wich­tig ist, soll­te hier stets einen miss­traui­schen Blick auf die Dekla­ra­ti­on bzw. vor­han­de­ne oder eben nicht vor­han­de­ne Zer­ti­fi­zie­rung wer­fen. Eine super Anlauf­stel­le sind Natur­kos­me­tik­fach­ge­schäf­te, die gibt es bis jetzt (lei­der) über­wie­gend in grö­ße­ren Städ­ten. Kurz, einen Duft zu fin­den, der sowohl natür­lich als auch per­sön­lich per­fekt ist, erfor­dert einen Hauch von Ein­satz – der Erfolg ver­spricht eine duf­ten­de Beglei­tung fürs Leben. 

 

 


 

Dein Wunsch ist gepfleg­te Haut: den pas­sen­den Arti­kel fin­dest du hier:
→ Jetzt lesen: »Detox- & Anti-Pollution-Pflege«

 

 

 

 

Die­ser Bei­trag erschien in Aus­ga­be 97 — Win­ter 2022

 

Bioboom Cover der Winterausgabe 2022 Nr. 97

 

 

 

 

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