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Reis­al­ter­na­ti­ven
Regio­nal­bei­la­gen

Fast jede:r mag Reis. Trotzdem fragen sich immer mehr Menschen, ob es nicht auch regionale Alternativen zu den vielseitigen Körnern gibt. Antwort: Ja, und zwar jede Menge. Viele (Pseudo-)Getreide, die auf unseren Äckern seit Jahrhunderten wachsen, eignen sich bestens als Beilage. Wir stellen Euch einige von ihnen vor — und weswegen es sich lohnt, sie kennenzulernen.
Bioboom 110 – Regionalbeilage – Reisalternativen Bulgur, Quinoa & Co.
Bioboom 110 – Regionalbeilage – Reisalternativen Bulgur, Quinoa & Co.

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Doch vor­her noch ein Wort zum Reis: Der gehört immer­hin zu den wich­tigs­ten Grund­nah­rungs­mit­teln der Mensch­heit. Rund die Hälf­te der Welt­be­völ­ke­rung isst ihn täg­lich, ins­be­son­de­re in Asi­en. Ob Lang­korn- oder Risotto‑, Bas­ma­ti- oder Sushi-Reis: Glo­bal wer­den pro Jahr mehr als 500 Mil­lio­nen Ton­nen Reis ange­baut. Auch hier­zu­lan­de schät­zen wir ihn als viel­sei­ti­ge Bei­la­ge, die, gera­de in der Voll­korn-Vari­an­te, auch ernäh­rungs­phy­sio­lo­gisch pri­ma ist. War­um also über­haupt nach Alter­na­ti­ven schauen?

Viel Was­ser, viel Treibhausgas

Der Groß­teil des welt­wei­ten Reis­an­baus fin­det in Asi­en statt. Ledig­lich zwei bis drei Pro­zent der Gesamt­men­ge stam­men aus Euro­pa, zum Bei­spiel Ita­li­en, Spa­ni­en, Süd­frank­reich, Grie­chen­land oder Por­tu­gal. Das bedeu­tet, dass der Reis auf unse­rem Tel­ler ziem­lich lan­ge Trans­port­we­ge mit dem damit ver­bun­de­nen Ener­gie­auf­wand hin­ter sich hat. Hin­zu kommt: Reis­an­bau ver­braucht viel Was­ser — denkt an die typi­schen über­flu­te­ten Reis­fel­der. 80 Pro­zent des Reis­an­baus erfol­gen im soge­nann­ten Nass­reis­an­bau. Dabei wer­den meh­re­re tau­send Liter Was­ser für ein Kilo Reis ver­braucht. Ange­sichts der zuneh­men­den Was­ser­knapp­heit auf der Welt liegt auf der Hand, dass das nicht ide­al ist.
Das ist noch nicht alles: In dem ste­hen­den Was­ser, das schlam­mig ist und in dem sich Pflan­zen­tei­le zer­set­zen, leben Bak­te­ri­en, die Methan bil­den — ein kli­ma­schäd­li­ches Gas, das 21-mal stär­ker wirkt als CO₂. Es wird geschätzt, dass die­se Form des Reis­an­baus für 17 Pro­zent des Methans in der Erd­at­mo­sphä­re ver­ant­wort­lich ist.

Kör­ner von hier

Nie wie­der Reis essen? So radi­kal müs­sen wir sicher nicht wer­den — Reis, gera­de aus öko­lo­gi­schem Anbau, bleibt ein wert­vol­les Lebens­mit­tel und wer möch­te schon sein Sus­hiröll­chen künf­tig mit Grün­kern fül­len (obwohl, wer weiß …). Aber es lohnt sich defi­ni­tiv, auch ein­mal die hei­mi­schen Alter­na­ti­ven zu pro­bie­ren. Die kön­nen näm­lich nicht nur mit regio­na­lem Anbau, ent­spre­chend kur­zen Trans­port­we­gen und hoher Nähr­stoff­dich­te punk­ten, son­dern sor­gen auch kuli­na­risch für Abwechslung.

Viel­sei­tig: Wei­zen und Verwandte

Da wäre als ers­tes der Wei­zen, ein wei­te­rer Gigant der Welt­ernäh­rung. Vor­teil: Das Getrei­de gedeiht hier­zu­lan­de und ist aus Bio-Anbau pro­blem­los erhält­lich. Eine »alte« Wei­zen­sor­te ist Din­kel, der teil­wei­se als bes­ser ver­träg­lich und nussi­ger im Geschmack emp­fun­den wird. Wenn Din­kel unreif geern­tet und gedarrt wird, han­delt es sich um Grün­kern, der in der süd­deut­schen Küche einen fes­ten Platz hat. Auch Gers­te und Hafer sind hei­mi­sche Getrei­de. Aller­dings: Wollt Ihr die gan­zen Kör­ner als Reis­al­ter­na­ti­ve zube­rei­ten, erfor­dert das eine gewis­se Geduld bei der Zube­rei­tung. Schnel­ler geht es mit Bul­gur und Cous­cous. Das sind grob bezie­hungs­wei­se fein zer­klei­ner­te Getrei­de­kör­ner, fast immer aus Wei­zen, die fix garen und dabei fluf­fig-locker wer­den — eine per­fekt all­tags­taug­li­che Bei­la­ge. Bio-Mar­ken bie­ten sie oft in Voll­korn-Qua­li­tät an, so lie­fern sie zusätz­lich Nähr- und Ballaststoffe.

Run­de Sache: Graupen

Wo wir gera­de beim zer­klei­ner­ten Getrei­de sind: Was Bul­gur und Cous­cous in der ori­en­ta­li­schen Küche, sind Grau­pen in der deut­schen. Die Ver­wen­dung als Schimpf­wort (»so eine Grau­pe!«) haben sie wirk­lich nicht ver­dient, denn sie sind nähr­stoff­reich und prak­tisch: Die Kör­ner (klas­sisch Gers­te, aber auch Wei­zen) wer­den in einer Schäl­müh­le abge­schlif­fen. Dabei wer­den die Rand­schich­ten ent­fernt. Sie sind zwar kein Voll­korn­pro­dukt mehr, wer­den aller­dings deut­lich schnel­ler gar. Grau­pen kom­men nicht nur in der klas­si­schen Grau­pen­sup­pe zum Ein­satz, son­dern machen sich auch bes­tens als Bei­la­ge oder »Gerstot­to« statt »Risot­to«.

Glu­ten­frei und nähr­stoff­reich: Hir­se, Buch­wei­zen und Quinoa

Anders als Reis ent­hal­ten Wei­zen (das gilt auch für Din­kel und Grün­kern) sowie Gers­te Glu­ten. Wer auf der Suche nach glu­ten­frei­en Reis­al­ter­na­ti­ven ist, wird bei den soge­nann­ten Pseu­do-Getrei­den fün­dig: Pflan­zen, die Kör­ner wie Getrei­de lie­fern, aber kei­ne sind. Da wäre zum Bei­spiel die gute alte Hir­se, die bereits im Mit­tel­al­ter auf dem Spei­se­plan stand: Ein ech­tes Mul­ti­ta­lent, das süß oder herz­haft schmeckt und jede Men­ge Mine­ral­stof­fe lie­fert. Oder Buch­wei­zen: Cha­rak­ter­voll, leicht nussig und eben­falls reich an Mine­ral­stof­fen. Und natür­lich: Qui­noa, das ursprüng­lich aus den Anden stammt, heu­te aber auch auf deut­schen Bio-Äckern wächst. Qui­noa ist reich an pflanz­li­chem Eiweiß und passt so per­fekt in eine vega­ne Ernährung.

Unser Fazit: Wer öfter vari­iert, isst abwechs­lungs­rei­cher, ent­deckt neue Geschmacks­er­leb­nis­se und bringt ganz neben­bei mehr Nach­hal­tig­keit auf den Teller.

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