10,6 Liter reiner Alkohol pro Kopf im Jahr 2024 — damit liegt Deutschland weltweit im oberen Drittel und auch leicht über dem europäischen Durchschnitt. Trotz oder gerade deshalb etabliert sich ein neuer Trend: Genuss ohne Alkohol. Wurden Menschen, die lieber den O‑Saft als den Sekt in der Hand hatten, früher gerne Fragen wie »Willst Du wirklich gar nichts trinken?« oder gar »Bist du krank?« gestellt, ist es heute angesagt, Null-Prozentiges wie Mocktails zu genießen. Auf Social Media boomen Erfahrungsberichte darüber, wie es sich ohne Alkohol lebt. Kampagnen wie »Dry January« oder »Sober October« motivieren, ähnlich wie der Veganuary beim Thema Fleisch, es einfach mal auszuprobieren. Die Vorteile liegen auf der Hand: Feiern mit klarem Kopf, auf dem Rückweg sicher unterwegs und am nächsten Morgen kein dicker Schädel. Und das Beste: Abstriche beim Genuss sind nicht nötig, denn vom Prosecco bis zu GinTonic gibt es mittlerweile jede Menge Alternativen, die in punkto Geschmack mit dem alkoholischen Originalen durchaus mithalten können.
Hopfen und Malz
Längst im Mainstream angekommen sind alkoholfreie Biere. Sie machen bereits über neun Prozent des Bierumsatzes in Deutschland aus — Tendenz steigend. Auch im Bio-Regal ist der Trend präsent: Neben dem klassischen alkoholfreien Pils finden sich helle und dunkle Biere, Weißbiere, vereinzelt sogar Craft Beer-Varianten und natürlich jede Menge alkoholfreie Biermischgetränke. Wie jedes ordentliche Bier werden auch die alkoholfreien Alternativen aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe gebraut. Entweder wird die Gärung gestoppt oder der Alkohol wird aus dem fertig gebrauten Bier durch Abdampfen entfernt. Alkoholfreies Bier darf — das gilt übrigens auch für die folgenden Alkoholalternativen — einen Restalkoholgehalt von maximal 0,5 Promille haben, weswegen die ganz korrekte Bezeichnung »entalkoholisierte Getränke« lautet. Das klingt erst einmal nach viel, allerdings können auch in Fruchtsäften oder Kefir vergleichbare Alkoholgehalte stecken.
Prickelnde Alternativen
Die Sektkorken knallen lassen — das geht alkoholfrei genauso prickelnd. Ähnlich wie beim Bier wird auch hier der Alkohol unter Vakuum entzogen. Normalerweise bräuchte das Getränk dann eine zweite Gärung. Durch die würde aber wiederum Alkohol entstehen, was definitiv unerwünscht ist. Deshalb wird alkoholfreiem Sekt Kohlensäure für das feine Prickeln zugesetzt. Ein gute Grundqualität des Ausgangsgetränks und schonende Verfahren sorgen dafür, dass die Aromen weitestmöglich erhalten bleiben, gegebenenfalls wird zum Beispiel mit Traubenkonzentrat abgerundet. Wer keinen Wert auf »schmeckt-wie-Sekt« legt, kann zu Seccos aus Bio-Trauben- oder ‑Apfelsaft greifen, die mit Kohlensäure und eventuell Aromanoten wie Rose oder Bergamotte bereichert wurden. Auf die Bezeichnung »Sekt« verzichten die meisten Hersteller: Sie verlassen sich auf die typische Flaschenform und setzen eher auf Bezeichnungen wie »prickelnder Aperitif« oder »Mousseux«.
Gerangel um Bio-Wein
Noch vergleichsweise klein ist die Auswahl an Alkoholfreiem bei (Bio-)Wein. Aber: Die Nachfrage wächst stetig. Entsprechend entwickelt sich die Sortimente. Auch die Produktqualität verbessert sich: Sowohl in die Sortenvielfalt als auch beim Geschmack investieren die Produzierenden viel Sorgfalt. Auch hier kommt die Vakuumdestillation zum Einsatz. Weine sind komplex in ihrer Aromenvielfalt — nicht einfach, sie in alkoholfreier Qualität herzustellen, zumal bei Bio-Winzern künstliche Aromen oder Farbstoffe tabu sind. Zwei Jahre lang durften Winzer:innen ihre entalkoholisierten Bio-Weine nicht als »Bio« ausloben, da die rechtliche Grundlage für die »Vakuumdestillation zur Entalkoholisierung von Bio-Wein« fehlte — obwohl dieses Verfahren bereits vorher genutzt wurde. Zur Freude von Winzer:innen und Konsument:innen wurde diese Lücke nun geschlossen und die Produkte dürfen wieder das Bio-Siegel tragen.
Harte Sachen ohne machen
Sogar zu den sogenannten »harten« Spirituosen mit hohem Alkoholgehalt wie Gin oder Rum finden sich alkoholfreie Bio-Alternativen. Sie bieten aromatische Vielfalt auf Basis von Kräuter‑, Gewürz- und Fruchtextrakten, werden oft in Handarbeit und immer ohne künstliche Zusätze hergestellt. Bio-Gin-Alternativen überzeugen mit Wacholdernoten, Zitrusaromen und feiner Bitterkeit, alkoholfreier Bio-Rum wartet mit Melasse‑, Vanille- und Karamellnoten auf; der aktuellen Mega-Trend Aperol wird als alkoholfreie Bio-Alternative mit natürlichen Orangen- und Kräuterauszügen angeboten. Ergänzt wird das Angebot durch fertig abgefüllte Bio-Mocktails, die mit hochwertigen Säften, Botanicals und Kräuteressenzen handwerklich komponiert werden.
Authentischer Genuss, ausgewählte Zutaten aus Bio-Anbau und eine sorgfältige handwerkliche Herstellung mit viel Know-how: Diese Alternativen zeigen, dass bewusster Trink-Genuss nichts mit Verzicht zu tun hat.


