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Das Textilunternehmen Manomama schwimmt erfolgreich gegen den Strom.

Geht doch!

Jeder hat sie für verrückt erklärt damals. Am Ende der Finanzkrise in eine tote Branche investieren und Leute beschäftigen, die sonst niemand will? Das klang nach vorprogrammiertem Scheitern. Dieses Jahr feiert Sina Trinkwalder mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das zehnjährige Firmenjubiläum ihres Augsburger Textilunternehmens Manomama.
Das Textilunternehmen  Manomama schwimmt  erfolgreich gegen den Strom.

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Die Fir­ma ist ein Vor­zei­ge­pro­jekt in einem Wirt­schafts­zweig, der ansons­ten nicht mit all­zu vie­len guten Schlag­zei­len von sich reden macht. War­um aus­ge­rech­net die Tex­til­bran­che? Dafür gab es zwei Grün­de: »Es muss­te eine hand­werk­li­che Pro­duk­ti­on sein, wo jeder sei­nen Platz fin­det. Auch die, denen sonst nicht viel zuge­traut wird«, sagt Sina Trink­wal­der. »Und Augs­burg hat eben eine lan­ge, wenn auch längst unter­ge­gan­ge­ne Textiltradition.«

 

Quer ein­ge­stie­gen

 

Dass sie selbst wenig bis kei­ne Ahnung vom Geschäft rund ums Spin­nen, Weben, Fär­ben und Nähen hat­te – geschenkt. »Wenn ich etwas nicht kann, dann ler­ne ich es halt.« Trink­wal­der beschreibt sich selbst als »Auto­di­dak­tin und extrem prag­ma­tisch ver­an­lagt«. Die 42-Jäh­ri­ge ist ein Macher-Typ mit einer unbän­di­gen Ener­gie, die auf gemüt­li­cher ver­an­lag­te Cha­rak­te­re erst ein­mal ein­schüch­ternd wir­ken kann. Und sie ist Men­schen­freun­din, offen und herz­lich, mit einem Blick für die, die es nicht leicht haben im Leben und in unse­rer Gesell­schaft. Bei Mano­ma­ma arbei­ten neben ganz »nor­ma­len« Arbeits­kräf­ten auch Leu­te mit Vor­stra­fen, Lang­zeit­ar­beits­lo­se, Men­schen mit Behin­de­rung und Analpha­be­ten. »Man muss ja nicht unbe­dingt lesen kön­nen, um nähen zu kön­nen«, sagt Trink­wal­der so ein­fach wie einleuchtend.

 

mano­ma­ma-Grün­de­rin Sina Trink­wal­der – Auto­di­dak­tin und extrem prag­ma­tisch veranlagt

 

»Es kön­nen doch nicht alle rumhirnen.«

 

Sina Trink­wal­der ging es im Leben gut, als sie sich ent­schloss, eine ganz neue Rich­tung ein­zu­schla­gen. Gemein­sam mit ihrem dama­li­gen Mann betrieb sie eine erfolg­rei­che Wer­be­agen­tur, ver­dien­te reich­lich Geld und war außer­dem glück­li­che Mut­ter. Doch nach einem eher zufäl­li­gen Gespräch mit einem Obdach­lo­sen ließ sie eine Fra­ge nicht mehr los: Wie kön­nen wir Leu­te, die eigent­lich kei­ne Chan­cen auf ein selbst erwirt­schaf­te­tes Aus­kom­men haben, wie­der mit­neh­men und teil­ha­ben las­sen? Die Ant­wort lag für sie nahe: »Wir müs­sen mit den Hän­den arbei­ten und pro­du­zie­ren. Es kön­nen doch nicht alle rumhirnen.«

 

Ein­fach und flexibel

 

Drei Mona­te hat es dann noch gedau­ert, bis sie mit vier bis fünf Leu­ten das Nähen star­te­te. Auf eige­nes Risi­ko und mit ihrem eige­nen Geld, denn Kre­di­te von den Ban­ken gab es nicht. Aber natür­lich nicht ohne Plan, das sähe Sina Trink­wal­der auch gar nicht ähn­lich. Gefer­tigt wur­den bun­te Ein­kaufs­beu­tel. Und auch wenn inzwi­schen eini­ges mehr hin­zu­ge­kom­men ist, machen die far­bi­gen Taschen für den Lebens­mit­tel­han­del immer noch einen Groß­teil der Auf­trä­ge aus. »Wenn wir aus­schließ­lich Taschen machen, dann schaf­fen wir inzwi­schen etwa 30.000 Stück am Tag.« Denn aus den paar Leut­chen, mit denen sie ange­fan­gen hat, sind inzwi­schen 140 Ange­stell­te gewor­den, die in einer gro­ßen ehe­ma­li­gen Fabrik­hal­le zuschnei­den, nähen, sor­tie­ren und packen.

 

Es sind haupt­säch­lich Frau­en, die die oft ein­fa­chen Arbei­ten machen: eine Naht hoch, eine Naht run­ter, dann lan­det der Zuschnitt auf dem Sta­pel und es geht von vor­ne los. Ande­re stül­pen von früh bis spät Taschen von links auf rechts um, so dass die Näh­te nach innen ver­schwin­den. Wie­der ande­re mes­sen Bän­der ab oder sor­tie­ren die Res­te fein säu­ber­lich weg. Trotz­dem sind sie zufrie­den, denn sie haben eine unbe­fris­te­te Anstel­lung, kön­nen sich aus­su­chen, ob sie Voll­zeit- oder Teil­zeit­ver­trä­ge haben wol­len und bekom­men mit 10 Euro pro Stun­de mehr als den Min­dest­lohn. Auch ihre Arbeits­zei­ten dür­fen die Leu­te von Mano­ma­ma selbst fest­le­gen. Ob sie früh um 6 Uhr oder erst gegen Mit­tag anfan­gen – all das ist der Che­fin herz­lich egal. Hier tak­tet sich jeder von 6 bis 22 Uhr so ein, wie es zu sei­nem All­tag und sei­nem Leben passt. »Haupt­sa­che, die Arbeit wird geschafft.«

 

Sozi­al­bo­ni statt Akkordarbeit

 

Und so sim­pel die ein­zel­nen Arbeits­schrit­te auch sein mögen: Trink­wal­der hat die Erfah­rung gemacht, dass die meis­ten ihrer Ange­stell­ten gar nicht unbe­dingt nach mehr stre­ben. »Die weni­gen Hand­grif­fe gut zu beherr­schen, das gibt vie­len Sicher­heit und Selbst­ver­trau­en.« Trotz­dem muss natür­lich mehr genäht wer­den als nur Taschen. Mano­ma­ma pro­du­ziert und ver­kauft inzwi­schen auch Shirts und Swea­ter, Hem­den und Röcke, Unter­wä­sche, Jeans, Jacken und eini­ges mehr – im Inter­net und auch im eige­nen Laden­ge­schäft in der Augs­bur­ger City. Haupt­säch­lich Basics, »kei­ne Fashion-Fum­mel«, sagt Trink­wal­der. Wenn etwas Neu­es gefer­tigt wer­den soll, wird es manch­mal auch schwie­rig, berich­tet sie: »Mal etwas ande­res oder gar etwas Kom­pli­zier­te­res zu nähen, das traut sich so man­cher schon nicht mehr zu.« Des­halb gibt es bei Mano­ma­ma Sozi­al­bo­ni statt der übli­chen Akkord­zu­schlä­ge: Wer bereit ist, auch mal woan­ders zu arbei­ten, wird eben­so mit finan­zi­el­len Auf­schlä­gen belohnt wie die­je­ni­gen, die beson­ders hilfs­be­reit sind oder ihr Wis­sen wei­ter­ge­ben. »Wir wol­len und kön­nen uns eine gewis­se Inef­fi­zi­enz leisten.«

 

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