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Meerestiere

Geht was oder No-Go?

Ob frisch oder geräuchert, tiefgekühlt oder konserviert in der Dose: Wer Fisch kaufen will, findet nach wie vor ein reiches Angebot – trotz der mantrahaft wiederholten Mahnungen, dass viele Bestände überfischt sind. Ist Fisch überhaupt noch eine nachhaltige Option und wie sieht es mit Bio-Fisch aus?
Bioboom Ausgabe 91 – Meerestiere – Geht was oder No-Go?
Bioboom Ausgabe 91 – Meerestiere – Geht was oder No-Go?

Siehe auch:

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Gar­ne­len lie­gen deko­ra­tiv auf Piz­zen, Lachs ver­schwin­det gemein­sam mit Spi­nat zwi­schen Lasa­gne­plat­ten und fehlt in geräu­cher­ter Form bei kaum einem Brunch. Mat­jes­bröt­chen für die Gro­ßen, Fisch­stäb­chen für die Klei­nen. Wer es ein biss­chen edler will, gönnt sich einen Krab­ben­cock­tail oder Pulpo-Salat.

 

Glo­ba­ler Fisch­kon­sum auf Allzeit-Hoch

 

14,3 Kilo­gramm Fisch hat jede:r Deut­sche 2019 im Schnitt ver­zehrt, ver­rät die Sta­tis­tik des wirt­schafts­na­hen Fisch­in­for­ma­ti­ons­zen­trums (FIZ). Am größ­ten war der Appe­tit auf Lachs, sein Anteil liegt bei 18,8 Pro­zent, dicht gefolgt vom See­lachs (17,7), der in den meis­ten Fisch­stäb­chen oder über­ba­cke­nen Filets steckt. Auf Platz 3 kommt schon der Thun­fisch (11,4), eine belieb­te Zutat bei Piz­za und Pasta­gerichten. Hering (10) und Gar­ne­le (7,4) lie­gen auf den Plät­zen 4 und 5. Für das Coro­na-Jahr 2020 rech­net das FIZ mit einem Anstieg des Pro-Kopf-Ver­brauchs – eben­so ver­mut­lich auch für 2021. Welt­weit betrach­tet ist der deut­sche Fisch-Kon­sum sogar unter­durch­schnitt­lich. Laut dem Fische­rei­be­richt der UN-Welt­ernäh­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on FAO wird rund um den Glo­bus so viel Fisch geges­sen wie noch nie zuvor: Der Pro-Kopf-Ver­brauch liegt bei 20,5 Kilo­gramm. Beson­ders viel wird laut FAO in Chi­na, Süd­ost­asi­en, Skan­di­na­vi­en und West­eu­ro­pa ver­zehrt, näm­lich mehr als 30 Kilo­gramm pro Kopf und Jahr. Weni­ger als 5 Kilo­gramm sind es dage­gen in Ost- und Zen­tral­afri­ka sowie in Zentralasien.

 

Bald nicht mehr viel zu holen

 

Der welt­wei­te Hun­ger auf Fisch hat für die Bewoh­ner der Welt­mee­re dra­ma­ti­sche Fol­gen. Der klei­ne Kut­ter, der in der Nacht aufs Meer hin­aus­fährt und am Vor­mit­tag mit fri­schem Fang zurück­kehrt: Eine roman­ti­sche und kom­plett unzu­tref­fen­de Vor­stel­lung vom Fische­rei-Busi­ness. Die Rea­li­tät sind rie­si­ge Fang­flot­ten, die über meh­re­re Wochen hin­weg unter­wegs sind. Ihre Grund­schlepp­net­ze durch­pflü­gen den Mee­res­bo­den. Die ton­nen­wei­se ein­ge­hol­ten Fische wer­den direkt an Bord ein­ge­fro­ren, unbrauch­ba­rer Bei­fang (zum Bei­spiel Jung­fi­sche oder Del­phi­ne) tot über Bord gewor­fen. Nach Anga­ben der Ernäh­rungs- und Land­wirt­schafts­or­ga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Natio­nen (FAO) gilt ein Drit­tel der kom­mer­zi­ell genutz­ten Fisch­be­stän­de als über­fischt, wei­te­re 58 Pro­zent sind maxi­mal genutzt. Die Men­ge an Wild­fang hat sich zwi­schen 1986 und 2018 »nur« von 87 auf 96 Mil­lio­nen Ton­nen erhöht – das Plus von immer­hin neun Mil­lio­nen Ton­nen inner­halb von 30 Jah­ren gilt als mode­rat und als Zei­chen dafür, dass nicht sehr viel mehr zu holen ist. Zu spü­ren bekom­men das vor allem die Küs­ten­be­woh­ner in ärme­ren Welt­re­gio­nen: »Fisch ist für vie­le Men­schen im glo­ba­len Süden ein Grund­nah­rungs­mit­tel, das dort all­mäh­lich knapp wird«, weiß Fran­cis­co Marí, Exper­te für Fische­rei und Mee­res­po­li­tik bei der christ­li­chen Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Brot für die Welt. Vor allem die ille­ga­le Raub­fi­sche­rei und der Ein­satz ver­bo­te­ner Fang­me­tho­den führ­ten dazu, dass den loka­len Fischern nur noch weni­ge und zu klei­ne Fische in die Net­ze gehen.

 

 

 

Der klei­ne Kut­ter, der in der Nacht aufs Meer hin­aus­fährt und am Vor­mit­tag mit fri­schem Fang zurück­kehrt: Eine roman­ti­sche und kom­plett unzu­tref­fen­de Vor­stel­lung vom Fische­rei- Business.

 

Nach­hal­ti­ge Fische­rei: Wie ver­läss­lich sind Siegel?

 

Um Mee­re und Fisch­be­stän­de zu schüt­zen und Stan­dards für eine nach­hal­ti­ge Fische­rei auf­zu­bau­en, ist 1997 der Mari­ne Ste­wardship Coun­cil (MSC) ins Leben geru­fen wor­den – gemein­sam von der Umwelt­or­ga­ni­sa­ti­on WWF und dem Nah­rungs­mit­tel­kon­zern Uni­le­ver. Das MSC-Logo mit dem klei­nen sti­li­sier­ten Fisch ist inzwi­schen auf vie­len Fisch­pro­duk­ten in deut­schen Super­märk­ten zu fin­den und so etwas wie der Min­dest­stan­dard für einen ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten Ein­kauf. Doch für wie viel Nach­hal­tig­keit das MSC-Sie­gel heu­te noch steht, ist umstrit­ten. Vie­le Expert:innen und Umwelt­ver­bän­de, ja sogar Grün­dungs­mit­lied WWF selbst for­dern, die Zer­ti­fi­zie­rung in Bezug auf Fang­me­tho­den und Schutz­ge­bie­te zu über­ar­bei­ten. Auf der Web­sei­te des WWF heißt es: »MSC hat viel Gutes bewirkt, Trans­pa­renz und Bewe­gung in den Fischerei­sektor gebracht. Jetzt steht der MSC am Wen­de­punkt. Er muss sicher­stel­len, dass das Wachs­tum nicht zu Las­ten der Qua­li­tät geht. Das Sie­gel ist so attrak­tiv, dass auch schwie­ri­ge Fische­rei­en mit grö­ße­ren Umwelt­aus­wir­kun­gen hin­ein­drän­gen. Es kommt drauf an, dass MSC auch künf­tig streng bleibt.« Rasche Refor­men sei­en drin­gend not­wen­dig, die Gesund­heit der Mee­re und der Arten müs­se bei allen Ent­schei­dun­gen über Zer­ti­fi­zie­run­gen an ers­ter Stel­le ste­hen. Neben dem MSC-Sie­gel gibt es noch zwei wei­te­re Logos für Wild­fisch, an denen sich Fischliebhaber:innen ori­en­tie­ren kön­nen: das Sie­gel Natur­land Wild­fisch und das Label Fol­low­Fi­sh. Natur­land zer­ti­fi­ziert aus­schließ­lich klei­ne hand­werk­li­che Fische­rei­en, gibt Richt­li­ni­en für die Ver­ar­bei­tung vor und legt außer­dem Wert auf sozia­le Stan­dards. Die Zahl der Zer­ti­fi­zie­run­gen ist über­schau­bar: Das Natur­land-Wild­fisch-Zei­chen gibt es der­zeit für Nil­barsch (auch Vik­to­ria­barsch genannt) aus Tan­sa­nia, See­lachs aus Deutsch­land, Schol­le aus Däne­mark, Kabel­jau aus Island und Thun­fisch von den Azo­ren. Fol­low­Fi­sh setzt bei den Wild­fi­schen haupt­säch­lich auf das MSC-Label. Mit einem Tracking-Code auf der Packung soll trans­pa­rent gemacht wer­den, wo und wie der Fisch gefan­gen und ver­ar­bei­tet wurde.

 

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