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Sprossen und Microgreens

Für den grü­nen Gaumen

Selbst wenn die Frühlingssonne scheint und es im Wald und auf den Beeten langsam lebendig wird: Bis die ersten Frühlingsgemüse geerntet werden können, dauert es noch ein paar Wochen. Sprossen und Microgreens liefern knackiges Grün und jede Menge Nährstoffe. Und: Sie lassen sich mit äußerst überschaubarem Aufwand zu Hause ziehen.
Sprossen und Microgreens

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Keim­lin­ge ohne Keime

 

Wer bei der Online­su­che »Spros­sen« ein­gibt, bekommt mit rela­tiv hoher Wahr­schein­lich­keit auch den Such­vor­schlag »Spros­sen gefähr­lich« ange­zeigt. Upps? Im Früh­jahr 2011 kam es vor allem im nord­deut­schen Raum zu einer Rei­he von Infek­tio­nen mit EHEC-Kei­men. Als wahr­schein­lichs­ter Aus­lö­ser des Krank­heits­aus­bru­ches wur­de der Ver­zehr von (Bocks­horn­klee-) Spros­sen ermit­telt. Damit geriet das »grü­ne Lebens­mit­tel« in den Fokus, seit­dem gel­ten neue Kri­te­ri­en zur Lebensmittelsicherheit.

 

Das heißt nicht, dass Spros­sen und Micro­greens per se pro­ble­ma­tisch wären. Wer Keim­lin­ge ohne Kei­me genie­ßen will, ach­tet beim Umgang mit den klei­nen Grü­nen ganz beson­ders auf Sau­ber­keit – wie man es aus der omni­vo­ren Küche ja auch für den Umgang mit Lebens­mit­teln wie rohem Fleisch, beson­ders Hack­fleisch, oder Eiern kennt. Also, hier haben wir es sozu­sa­gen mit der vega­nen Par­al­le­le zu rohen Eiern zu tun.

 

Wer eine geschwäch­te Immun­ab­wehr hat, zum Bei­spiel Kin­der, Senio­ren und Senio­rin­nen oder Schwan­ge­re soll­ten des­halb bes­ser dar­auf ver­zich­ten, rät das Bun­des­amt für Risi­ko­be­wer­tung (BfR), oder sie nur nach gründ­li­chem Erhit­zen ver­spei­sen. Die Ern­te soll­te immer frisch geges­sen wer­den – kein Pro­blem, wenn man sie direkt aus dem Topf schnei­det. Fer­tig gekauf­te Spros­sen und Micro­greens soll­ten eben­falls kühl gela­gert und mög­lichst schnell ver­braucht wer­den – und zwar nach gründ­li­chem Waschen.

 

Das Who’s who der Keimlinge

Alfal­fa, Ama­ranth, Basi­li­kum, Bocks­horn­klee, Bor­retsch, Brok­ko­li, Buch­wei­zen, Dill, Erb­sen, Fen­chel, Hanf, Klee, Kicher­erb­sen, Kohl­ra­bi, Lin­sen, Kres­se, Man­gold, Mizu­na, Möh­re, Mungo­boh­ne, Radies­chen, Ret­tich, Rog­gen, Rote Bee­te, Rot­kohl, Ruco­la, Son­nen­blu­me, Schnitt­knob­lauch, Senf, Wei­zen, Zwie­bel… die­se Auf­zäh­lung erhebt kei­nen Anspruch auf Voll­stän­dig­keit. Und natür­lich macht es auch Spaß, diver­se Spros­sen­mi­xe aus­zu­pro­bie­ren. Am bes­ten – gera­de am Anfang – fer­tig kau­fen: Denn dann kann man sicher sein, dass sie sowohl geschmack­lich als auch von der Keim­zeit her zusam­men­pas­sen. Ein Wort der War­nung an Expe­ri­men­tier­freu­di­ge: Pflan­zen, die gif­ti­ge Blät­ter bil­den, also zum Bei­spiel Rha­bar­ber, Toma­ten, Auber­gi­nen oder Kar­tof­feln, sind abso­lut ungeeignet.

 

Beim Aus­gangs­ma­te­ri­al ist Bio Trumpf

 

Grund­sätz­lich emp­fiehlt es sich, für Spros­sen und Micro­greens zuhau­se immer Saat­gut ver­wen­den, das aus­drück­lich dafür vor­ge­se­hen ist. Denn hier wird bei der Her­stel­lung und Ver­pa­ckung beson­ders dar­auf geach­tet, Kei­me zu redu­zie­ren (sie­he oben). Und wer sicher sein möch­te, dass das Aus­gangs­ma­te­ri­al für die klei­nen Grü­nen nicht bestrahlt, gebeizt oder ansons­ten unnö­tig behan­delt wur­de, setzt natür­lich auf Bio. Prak­tisch: Im Bio-Markt gibt es eine ordent­li­che Aus­wahl von Keim­saa­ten ver­schie­de­ner Her­stel­ler, zum Bei­spiel von Arche, Bio­S­na­cky, Eschen­fel­der oder Son­nen­tor – und das pas­sen­de Zube­hör oft ebenfalls.

 

Die kleins­te Form des Gärtnerns

 

Spros­sen und Micro­greens wer­ten unse­re Sala­te, Sup­pen, Smoot­hies und sogar Müs­lis auf. Ganz ein­fach und unpro­ble­ma­tisch bie­ten sie uns dabei auch noch eine will­kom­me­ne Chan­ce, Lebens­mit­teln beim Wach­sen zuzu­schau­en – Mini-Selbst­ver­sor­gung sozu­sa­gen. Also: Den grü­nen Dau­men hoch für die kleins­te Form des Gärtnerns.

 

Die­ser Bei­trag erschien in Aus­ga­be 90 — Früh­jahr 2021

 

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